Hafenleben

Spannend, unsere unterschiedliche Wahrnehmung. Für Daniel läuft die Zeit völlig normal, wogegen sie für mich nur so dahin rast. Kaum aufgestanden ist es schon späterer Nachmittag. Klar, das war jetzt ein wenig übertrieben, Du hast es wahrscheinlich gemerkt. Aber wir sind wirklich voll beschäftigt. Denn wir haben da diese Liste mit der Überschrift „to do“. Und diese wird nicht etwa kürzer – nein ganz im Gegenteil, die wächst kontinuierlich. Und so sind wir am Abarbeiten, für was Strom „ohne Ende“ unabdingbar ist. Bohren, schleifen, fräsen zum Beispiel. Alles Tätigkeiten, die mein Heimwerker mit viel Talent und ebenso viel Funkeln in den Augen verübt. So hat zum Beispiel unsere Storagekabine einen integrierten Estrich bekommen und in die etwas unhandlichen Schränke hat mein Capitano ein zusätzliches Tablar eingepasst. Die neuen Einbaufenster liegen bereit, damit wir zukünftig auf den Ankerplätzen mehr frische Luft in den Salon und in das Cockpit bekommen. Ebenso montiert mein Heimwerker-Ass eine Salzwasserspülung in der Küche ein, somit können wir zukünftig kostbares Süsswasser einsparen.

Das ist der eine Teil unseres Alltags. Ein anderer ist die körperliche Ertüchtigung. Tönt harmlos, aber von wegen. Aus der Idee, etwas für die morschen Knochen zu tun, entstand ein Sportprogramm, das sich gewaschen hat. Als uns Fabio, der Besitzer des Fitness-Centers an den Geräten „herumturnen“ sah, griff er sich zuerst an den Kopf und dann kurzentschlossen ein. Nach der ersten Lektion suchten wir (leider vergebens) die Rolltreppe vom 1. Stock ins Erdgeschoss und krochen beinahe auf allen Vieren zurück aufs Boot. Aber unterdessen schwitzen wir dreimal die Woche bei und mit unserem Personaltrainer und staunen, wie schnell sich der Körper umstellt und wie fit wir geworden sind!

Wo denn die Muße bleibt, fragst Du? Keine Sorge, die kommt nicht zu kurz. Denn hier in der Marina liegen erfreulich viele Gleichgesinnte. Alles Langfahrtsegler-Paare, die ebenfalls dem etwas langsameren aber intensiveren Reisen frönen. Wo Land und Leute entdecken wichtiger ist, als möglichst schnell von A nach B zu kommen. Mit dem dänisch-norwegischen Paar Arne und Susanne von der SY Double Pleasure hat sich eine richtige Freundschaft entwickelt, die Deutsch-Holländer Sissi und Hans treffen wir mit ihrer SY Lowlander seit mehr als zwei Jahren immer wieder an. Dorothy und Duncan, ein älteres und liebenswürdiges Paar aus England, reisen seit über 20 Jahren mit ihrer SY Hunda um die Welt. Die Schweden Ann-Sophie und Jonas studieren über den Kauf eines neuen Bootes nach, Vivienne und Jean-Marc aus Frankreich haben nach Jahren des Monohullsegelns eben ihren Katamaran Jeanvie gekauft und die beiden aufgestellten Deutschen Ursula und Alex mit ihrer SY Faith kommen auch an keinem lokalen Fest vorbei. Und so finden lustige, spannende und oft feuchtfröhliche Gespräche und Treffen auf den jeweiligen Booten statt. Bei unseren portugiesischen Bekannten To und Mina waren wir zuhause zum Dinner eingeladen und dann konnten wir als wirkliches Highlight Fernanda Ribeiro, die bekannte Fado-Sängerin und Mutter unseres Freundes Vitor, an einem Konzert in Alvor bewundern. Sie ist zudem eine Künstlerin im Marzipan-Figuren, dem Morgadinho, herstellen. Du kannst Dir ja vorstellen, dass ihre Lieferungen für meinen Capitano der Himmel auf Erden sind.

Unsere Vairea ist unterdessen dezent weihnächtlich herausgeputzt. Aber ehrlich, bei 6-8 Stunden Sonnenschein pro Tag und bis 18 Grad kommt so schlecht Weihnachtsstimmung auf. Klar, die vielen Shoppingcenter duddeln von früh bis spät die üblichen Weihnachtsklassiker rauf und runter, aber einen solchen Lichterflash an den Häusern oder in den Strassen sucht man hier vergeblich. Wir geniessen jetzt noch die letzten Tage des herrlichen Algarve-Klimas, bevor wir uns dann am 27. Dezember auf nach Lissabon und von dort weiter nach Zürich aufmachen. Wir freuen uns sehr auf das Wiedersehen mit unseren Familien und den Freunden.

Wir wünschen Dir und Deinen Angehörigen von Herzen frohe und besinnliche Festtage, Stunden der Entspannung und des fröhlichen und friedlichen Zusammenseins. Einen guten Rutsch in ein Neues Jahr, für das wir Dir und Deinen Liebsten nebst bester Gesundheit möglichst viel Zufriedenheit und Gelassenheit wünschen.

1 Kommentar zu „Hafenleben“

  1. Wir wünschen euch auch alles gute. Es scheint so das ihr eure Berufung gefunden habt. Ganz schöne und besinnliche Feiertage wünschen wir euch. Roger und Hilde

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