Es gibt Email, Messenger, Skype und vieles mehr…

… aber alle modernen Kommunikationsmittel können weder Umarmung noch Nähe ersetzen und so freue ich mich unglaublich auf einen knappen Monat Zusammensein und Qualitätszeit mit Familie und Freunden.

„Feiert ganz in Ruhe Weihnachten, wir kommen nach den Feiertagen vorbei“, meinen wir zu unseren Liebsten und steigen daher erst am 27. Dezember in Lissabon in den Flieger nach Zürich. Von Portugal in die Schweiz, heisst von plus 18 Grad auf bis runter minus 10 Grad. Kunststück legt mich kurz nach Ankunft eine fiese Erkältung für eine Woche ins Gästebett meiner Freundin.

Es ist das erste Mal, dass wir in die Schweiz fliegen, meine beiden Elternteile nicht mehr leben und das Haus verkauft ist. Ein komisches und trauriges Gefühl, aber bei unseren Freunden Graziella und Heinz fühlen wir uns so wohl, willkommen und gut aufgehoben. Die zwei Wochen in unserem temporären Herzzuhause vergehen leider wie im Fluge und ich habe dank der ausgezeichneten Küche von Graziella bestimmt einige Kilos mehr auf den Ripplis.

Eine Mutter ist immer etwas in Sorge um ihre Kinder und wenn wie in meinem Fall die Distanz grösser ist, dann ist sie wohl noch etwas ausgeprägter. „Gluggere“ nennt mich Dani. Aber die Sorge war umsonst, die Beiden gedeihen prächtig und machen mich richtig stolz. Es waren wundervolle Tage, die wir mit der Familie und Freunden verbringen konnten und wir danken Euch allen noch einmal ganz herzlich für die nicht selbstverständliche und grossartige Gastfreundschaft.

Bed and Breakfast Casa do Bairro in Lissabon

Am 23. Januar geht’s dann zurück, zuerst nach Lissabon. Im Gästehaus „Casa do Bairro“ haben wir für 4 Nächte gebucht. Endlich wieder einmal in die Stadt mit dem Flair der Wehmut und dem etwas morbiden Charme, darauf freuen wir uns sehr. Unser Zimmer (oder eher ein Saal) ist ein Knaller und wie die herzlichen Angestellten Daniels Geburtstag inszenieren ist einzigartig. Das Wetter ist durchzogen. Was in der Schweiz der Schnee, ist in Portugal der Regen. Jänu, es gibt kein schlechtes Wetter nur schlechte Kleidung. Dafür ist die Dichte an hervorragenden Restaurants einmalig und wir schlemmen uns von einem Highlight zum Nächsten. Falls es Dich (hoffentlich) auch einmal in die Hauptstadt Portugals verschlägt, sei Dir besonders der TimeOut Market mit den unzähligen Food Stalls empfohlen. Ich behaupte, dass dort jeder etwas nach seinem Geschmack findet.

TimeOut Market in Lissabon

Wie dieser Mercado bietet auch die Stadt eine schier unendliche Fülle von Attraktionen. Nebst dem, was Dir in jedem Reiseführer empfohlen wird, schlagen wir einen Ausflug mit dem Tram in den Stadtteil Belém vor. Dort befindet sich das neue und architektonisch einmalige MAAT-Museum. Der Blick vom Dach hinüber zur kleineren Version der Jesus-Statue und der Brücke, die so sehr an San Francisco erinnert ist einmalig.

MAAT-Museum

Von der Terrasse des Lokals „Madame Petisca“ im Quartier Sta. Catarina hast Du einen einmaligen Blick über den Tejo und im etwas unscheinbaren peruanischen Restaurant Qosqo schlürft man den besten Pisco sour. Das strategisch super gelegene „Casa do Bairro“ können wir uneingeschränkt als Übernachtungsort empfehlen.

Blick vom Madame Petisca & Pisco Sour im Qosqo

Am 27. Januar packen wir ein weiteres Mal die Koffer und holen am Flughafen den Mietwagen ab, die Reise geht nordwärts. Da wir gut vorankommen und etwas zu früh dran sind, legen wir in der alten Universitätsstadt Coimbra einen Zwischenhalt ein. Nur schnell etwas die Füsse vertreten und vielleicht einen Happen essen. Was wir dann auf unserem Rundgang sehen, lässt uns fast die Zeit vergessen, so begeistert sind wir davon. Eine Labyrinth ähnliche Altstadt mit unzähligen urigen, kleinen Geschäften und Restaurants. Wir dringen immer tiefer in die verwinkelten Gässchen ein – hoffentlich finden wir unser Auto wieder! Staunend stehen wir vor dem wunderschönen Kloster Santa Cruz, bewundern im Innern die Sakristei, das Kapitel und den Kreuzgang dieses imposanten nationalen Monumentes. Uns Beiden kommt sofort das Buch „Tod und Teufel“ von Frank Schätzing in den Sinn, das vom Bau des Kölner Doms handelt.

Kloster Santa Cruz in Coimbra

Das Parkhaus mit unserem Auto haben wir problemlos gefunden und kurz nach 16 Uhr treffen wir dann in Porto ein, „best european destination 2017“, Stadt des berühmten Portweins und mit der imposanten Brücke über dem Douro. Unser Auto kämpft sich auf der schmalen, glitschigen Strasse den steilen Hügel hinauf. Antonio, der Verwalter, erwartet uns mit dem Schlüssel zum Apartment „Shining View“. Nebst einem freundlichen Lachen hat er einen Stadtplan und 1000 gute Ideen für uns bereit. Und das alles in drei Tagen? Könnte knapp werden, wir müssen uns dranhalten. Es würde den Rahmen sprengen, alles aufzuzählen – daher im Schnelldurchlauf die Höhepunkte:

  • Portweindegustation, es gibt unzählige Portweinkeller in Geia, wir empfehlen besonders die kleine portugiesische Familienwinery Augusto’s mit edlen Tröpfchen. Isabel Santos spricht übrigens neben portugiesisch, englisch und französisch auch deutsch.
  • In 20-30 Minuten mit dem alten Tram von der Kirche San Fransicso im Zentrum bis zum Atlantik zuckeln. Tickets löst man beim Chauffeur.
  • Kirche Santo Ildefonso, die innen und aussen mit den Azelejos (den blauben Kacheln) geschmückt ist.
  • Den besten Blick auf Porto und die Brücke Ponte Dom Luis I hat man vom Aussichtspunkt des Mosteiro de Serra do Pilar.

  • Die Buchhandlung Livraria & Irmao, eine der drei schönsten Buchhandlungen weltweit, soll JK Rowling bei ihren Harry Potter Romanen inspiriert haben. Ob wahr oder nicht, der Besuch ist ein absolutes Must! Tickets (4 Euro) bekommt man drei Türen oberhalb. Bei Kauf eines Buches wird das Eintrittsgeld angerechnet.
  • Die Eingangshalle des Bahnhofes Estaçao de Sao Bento mit den blauen Kacheln, der kunstvollen Decke und der grossen Artdeco-Uhr.
  • Die direkte und unglaublich freundliche, hilfsbereite Art der Leute. In jedem Geschäft, jedem Restaurant und in jeder Attraktion!

Erraten, drei Tage haben nicht gereicht und wir haben um eine Nacht verlängert. Doch am 31. Januar heisst es dann endgültig Abschied nehmen. Wir packen ein weiteres Mal unsere Siebensachen und verlassen diese tolle Stadt.

Mosteiro da Batalha

Bis nach Batalha wollen wir fahren und uns dort das zum Weltkulturerbe gehörende Kloster Santa Maria da Vitoria anschauen. Als unübertroffen wird uns der erste Anblick dieses Monumentes in Erinnerung bleiben, denn das Kloster taucht praktisch wie aus dem Nichts auf. Es nieselt und es ist fürchterlich kalt an diesem Dienstag und doch wird es uns beinahe warm beim Rundgang. Keine Worte vermögen beschreiben, was wir da zu sehen bekommen! Ich bin sicher, man könnte dort Stunden verbringen.

eindrückliches Bauwerk

Nach einem heissen Kaffee zum Aufwärmen geht’s weiter nach Alcacer do Sal, unserer letzten Station. Wir übernachten in der Pousada Castelo, einer ehemaligen Maurenfestung. Nett, aber nicht mehr… ganz ehrlich, es tönte spannender wie es dann tatsächlich war.

Alcacer do Sal

Vom Geburtstort Vasca da Gama fahren wir anderntags bei endlich wieder einmal herrlichem Wetter nach Evora, der romantischen Stadt der Alentejo-Region. Und wieder oder besser gesagt noch einmal so ein Höhepunkt! Eine Universitätsstadt, deren historisches Zentrum bereits 1986 zum Unesco-Weltkulturerbe aufgenommen wurde.

Evora

Besonders augenfällig sind die alten Häuser, alle weiss mit senfgelb gestrichenen Fensterrahmen und Türen. Nebst den unzähligen religiösen Bauten, unter anderem ein romanischer Tempel, sticht das Aquädukt Agua de Prata ins Auge, das rund um die Altstadt führt. Wir lassen uns fasziniert treiben und schlendern stundenlang durch malerische Gassen und einladende Plätze.

Römischer Tempel und Kathedrale in Evora

Tief beeindruckt und fasziniert von einem weiteren Teil Portugals, einem wie wir finden  unterschätzten Land, nehmen wir am 2. Februar die letzten Kilometer unter die Räder. Von Westen über die Azoren kommend braust ein mächtiger Sturm heran und die Wetterfrösche prophezeien auch für die Algarve viel Wind und hohe Wellen. Also nichts wie ab nach Hause, zu unserer Vairea, die sicher vertäut im Hafen von Portimao auf uns wartet.

 

 

1 Kommentar zu „Es gibt Email, Messenger, Skype und vieles mehr…“

  1. Danke für den schönen und detailliert beschriebenen Bericht. Ich bin auch ein Portugal-Fan. Wer weiß, vielleicht segeln wir hier auch schon bald mal wieder vorbei 😉

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Nach oben scrollen